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Pablo Picasso
Malerbücher
aus dem Kabinett der Herzog August Bibliothek Wolfenbüttel


9. April bis 3. Juli 2011
Ausstellungen im Schloss
Museum Bad Arolsen und Museumsverein
34454 Bad Arolsen
Mi. bis Sa. 14.30 bis 17 Uhr, So. 11 bis 17 Uhr
Führungen sonntags 11.15 Uhr und nach Vereinbarung
Info 05691 / 625 734
www.museum-bad-arolsen.de

- Die Ausstellung beleuchtet Picassos buchillustratives Œeuvre. Wie wichtig Picasso der Umgang mit Texten war, wird daran deutlich, dass sein Werkverzeichnis 156 von ihm illustrierte Bücher aufzählt. Ein bedeutender Teil befindet sich im berühmten Malerkabinett der Herzog August Bibliothek in Wolfenbüttel. Aus diesem Bestand wurde eine Auswahl getroffen, die einen zeitlichen Bogen von den antikisierenden Werken der frühen dreißiger Jahre bis hin zum bildreichen „theatrum mundi“ der späten Schaffensjahre schlägt.
Vier Merkmale bestimmen das Malerbuch: originale druckgraphische Verfahren für die Abbildungen, sorgfältige Typographie und Drucklegung, qualitätvolle Papiere sowie kleine Auflagen. Dabei ist es im Idealfall eine Gemeinschaftsarbeit von drei gleichberechtigten Partnern: einem Autor, dessen Text man für hinreichend wichtig erachtet, bei lebenden Künstlern handelt es sich in der Regel um Erstausgaben; einem Maler, der zu den Textvorlagen Originalgraphiken anfertigt; einem Verleger, der – zumeist in Verbindung mit qualifizierten Druckern und Typographen – durch die Wahl des Papiers und die Anordnung von Text und Illustration den künstlerischen Charakter des Buches prägt.
Textillustrative Arbeiten stehen neben solchen, bei denen Text und Bild als selbständige Ausdruckssphären zu betrachten sind. Insbesondere diese Polarität macht den Reiz von Picassos buchillustrativem Schaffen aus, das immer wieder einer systematischen Beschreibung zu entgleiten scheint. Bei näherer Betrachtung wird bald klar, dass Picasso nicht einfach Texte illustrierte, sondern ihnen etwas Eigenes entgegensetzte. Diese Komplementarität geht gelegentlich so weit, dass sich die Verhältnisse verkehren und es zu einer Subordination des Textes unter die Form der Bilder kommt. Die Texte werden zur Illustration der Bilder.
Unterschiedlich wie die Partner und Objekte war auch die Art von Picassos Mitwirken an einer Publikation. Der Blick auf die Malerbücher veranschaulicht den ungewöhnlich weiten Radius vielfältiger Zusammenarbeit des Malers mit stillen Personen, öffentlich engagierten Schriftstellern seiner Zeit, mit hartnäckigen Galeristen, leidenschaftlichen Verlegern und obzessiven Büchermachern.
Picasso fühlte sich im Kreis der Schriftsteller äußerst wohl und wurde selbst zum Literaten. Poesie und bildende Kunst waren für ihn untrennbar, waren Grundlage seines Lebens. Das signalisierte er unübersehbar, indem er ein Schild an der Tür seines Ateliers aufhängte, auf dem in blauer Kreide „Rendez-vous des Poètes“ geschrieben stand.
Picasso radierte, ritzte, stach, schnitt, ätzte, zeichnete, schabte: Ein reiches, umfassendes Spektrum grafischer Gestaltungsmöglichkeiten wird in den Blättern der Ausstellung anschaulich. Und ermöglicht auch generell einen Gang durch das grafische Schaffen des genialen Künstlers, der die Grenzen dieses Mediums bald phantasievoll durchbrach, um seinen Themen neue Ausdrucksnuancen hinzuzugewinnen.

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