Pressearchiv

» Zurück

Christian Daniel Rauch-Museum

Oktober 2007 - Der in Arolsen geborene Bildhauer Christian Daniel Rauch (1777 – 1857) hinterließ ein umfangreiches und facettenreiches Lebenswerk, in dem sich seine Kontakte zu den Geistesgrößen, der kulturellen Blüte, der gesellschaftlichen und politischen Entwicklung der Goethezeit mannigfaltig spiegeln.

Seinen künstlerischen Nachlaß beherbergt die Nationalgalerie in Berlin, die eine der bedeutendsten Sammlungen zur Kunst des 19. Jahrhunderts darstellt. Sie bewahrt neben umfangreichen Skulpturenbeständen etwa von Gottfried Schadow bis Auguste Rodin große Bestände an Bildwerken des 19. Jahrhunderts.

Erstmals nach Jahrzehnten wurde aus diesen Schätzen für das Christian Daniel Rauch-Museum in Bad Arolsen eine reiche Auswahl zusammengestellt. Sie wird in dem hellen und weiten, für die museale Aufstellung behutsam gestalteten Raum des Marstalls dauerhaft öffentlich präsentiert. Hier kommen die Skulpturen im wechselvollen Spiel des natürlichen, weich modellierenden Lichtes zur Geltung.

Den barocken Marstall der Residenz der Fürsten von Waldeck und Pyrmont entwarf der Baumeister Franz Friedrich Rothweil um 1750 als bogenförmige Architektur. Gegenüber dem Schloß gelegen, das den geistesgeschichtlichen und architektonischen Kristallisationspunkt der ehemaligen Residenzstadt verkörpert, gehört dieser Bau nun zu einer reichen und vielfältigen Museumslandschaft: Hierzu zählen neben den Ausstellungen im Schloß auch die Geburtshäuser Rauchs und des Illustrators und Geschichtsmalers Wilhelm von Kaulbach sowie das Schreibersche Haus als ein nobles Privatgebäude an der Schloßstraße.

Der Schwerpunkt des Christian Daniel Rauch-Museums liegt auf den Werken des Bildhauers, der als ein Hauptmeister des deutschen Klassizismus geschätzt wird. Durch das vielfigurige Denkmal Friedrichs des Großen Unter den Linden in Berlin und durch seine Darstellungen der Königin Luise von Preußen – darunter der Sarkophag in Charlottenburg – ist der Künstler stets im allgemeinen Bewußtsein gegenwärtig geblieben.

Rauchs zwischen Klassizität und lebendigem Realismus angesiedelten Denkmalentwürfe, seine freie Idealplastik, Bildnisbüsten und Reliefs, seine Bau- und Grabplastik bezeugen die Vielfalt und den gedanklichen Reichtum dieser Kunstblüte. Dabei werden sowohl kostbare Originalgipsmodelle aus dem Ateliernachlaß des Künstlers als auch Marmor-, Biskuitporzellan-, Bronze- und Zinkgußfassungen gezeigt, so daß ein repräsentativer Querschnitt durch die Plastik der Goethezeit entsteht.

Im Mittelpunkt dieser Kunst steht der Mensch, sei es als Bildnisbüste von antikischer Zeitlosigkeit oder als lebensnahes Porträt der Zeitgenossen, als ganzfiguriges Denkmal oder als privates kleines Relief, oder auch als Grabmal, das in harmonischer Auffassung den Verstorbenen als einen gleichsam schlafenden Menschen zeigt.

Als ideale Aufgaben träumten die Künstler davon, sich mythologischen Themen widmen zu können. Dabei spielt die Aktfigur – in freier Anlehnung an die überlieferten antiken Statuen – eine herausragende Rolle. Zu diesem Themenkreis gehören Rauchs Entwürfe für einige, teilweise unausgeführt gebliebene und nur durch skizzenhafte Entwürfe überlieferten Statuen, aber auch zahleiche kleinformatige Modelle zu den Siegesgöttinnen, die als der berühmte Zyklus der Viktorien in der Walhalla bekannt sind. Auch mit einem szenisch gestalteten Entwurf zum Giebel der Walhalla wird dieser Themenkreis berührt.

Die Modelle und Werke Rauchs, die in dem Museum vereint sind, stehen in vielfältigen Bezügen zu den Großen der Zeit von Friedrich dem Großen, König von Preußen, bis Ludwig I. von Bayern, vom führenden Industriellen August Borsig bis zu dem Gartengestalter Peter von Lenné, vom Dichter Goethe bis zu dem Kunstfreund Wilhelm von Humboldt. Rauch erscheint im Beziehungsgefüge der Kunst zwischen Berlin, München, Weimar oder St. Petersburg. Er steht im Kontext der europäischen Kultur zwischen England, Italien, Rußland und Deutschland.

Hinzu treten zahlreiche Werke, die die Entwicklung der deutschen und internationalen Skulptur im 19. Jahrhundert erhellen. Dazu gehören Bildwerke berühmter französischer Künstler wie Barye, Bosio oder David d’Angers, denen man in deutschen Sammlungen nur selten begegnet, und zahlreiche Werke von Hauptmeistern der deutschen Kunstgeschichte wie etwa von dem Berliner Hofbildhauer Gottfried Schadow, von Schinkels engstem Mitarbeiter Friedrich Tieck, von zahlreichen Schülern und Mitarbeitern Rauchs sowie von dem Schweizer Alexander Trippel.

In dieser Zusammenstellung entsteht ein reiches Bild der Kunstszene dieser Zeit mit ihren realistischen Tendenzen einerseits und ihren Bezügen auf die Antike andererseits, die sich die Künstler schöpferisch anverwandelten.

Die Kunst der Goethezeit ist geprägt von einem hohen Bildungsanspruch und einem anspruchsvollen Menschenbild, in dem sich die Überzeugung von der Würde des Individuums spiegelt und individuelle Lebensleistungen als Vorbilder und Ideale formuliert werden. In dem Glauben an die ethisch-moralische Vorbildlichkeit großer Denker und edler Herrscher wurzelt die Bedeutung, die dem Denkmal und dem Bildnis in dieser Zeit zukam und aus der die Aktualität dieser Kunst resultiert.

Das Christian Daniel Rauch-Museum ist eine Kooperation des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst und der Stiftung Preußischer Kulturbesitz veranstaltet vom Museum Bad Arolsen in Zusammenarbeit mit den Staatlichen Museen zu Berlin, Nationalgalerie.

Öffnungszeiten: Mittwoch bis Samstag 14.00 bis 17.00 Uhr
Sonntag 11.00 bis 17.00 Uhr und nach Vereinbarung
Am 24. und 31. Dezember ist das Museum geschlossen.
Information 05691 / 625 734

Dr. Birgit Kümmel
Museum Bad Arolsen

Dr. Bernhard Maaz
Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie

» Download (1,45 MB)  » Zurück